Liv Kristine 16.07.2006 Bochum Total, Deutschland

Am 16.07.2006 trat Liv Kristine mit ihrem Soloprojekt auf dem Bochum Total Festival auf. Liv Kristine live und das auch noch umsonst – klar, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte! 

Also quälte ich mich tapfer durch die infernalische Hitze, trotze allen Gefahren, die bekanntermaßen bei Kontakt mit der Deutschen Bahn zu Tausenden lauern, und machte mich auf nach Bochum.

Erstaunlicher Weise funktionierte der Transport reibungslos (nur auf dem Hinweg!!!) und so kam ich eine Stunde vor Beginn des Konzerts an der Ringbühne an und ließ mich im Schatten nieder – innerlich auf eine Stunde langweiligen Wartens eingestellt.

Doch Fortuna war mir hold, denn schon wenige Minuten nach meiner Ankunft trat die sehnsüchtig erwartete Liv auf die Bühne und erfreute die wenigen Anwesenden mit dem Klang ihrer wundervollen Stimme. Ok, zuerst war es etwas enttäuschend, denn man vernahm nur „eins, zwei, check…. eins, zwei, check…“  … aber selbst der Mikrofoncheck gelingt einer Liv Kristine schöner und melodiöser als jedem anderen Mensch auf der Welt.  Daraufhin fragte sie über Mikro „Sollen wir mal was anspielen?“ (ich dachte natürlich „Jajajajajajajajaja!!!“) und so geschah es. Tatsächlich wurde nicht nur „was angespielt“, nein, es wurden zwei komplette Stücke durchgespielt! Das erste war „Over the Moon“, welches das zweite war, habe ich vor Aufregung vergessen … *räusper*! 

Beeindruckend war jedenfalls, dass Liv während dieser Proben eher gelangweilt auf der Bühne herumtrottete, mit hängendem Kopf im Kreis lief, und trotzdem einfach perfekt klang!

Dieser Umstand hatte für mich leider einen negativen Nebeneffekt, denn es sammelte sich sofort Publikum vor der Bühne und nahm mir sowohl die freie Sicht, als auch den anvisierten Stehplatz in der ersten Reihe mittig vor der Bühne. 

Naja, was soll’s, ich denke ich kann mich nicht beschweren, zumal ich noch etwas weiter seitlich in der ersten Reihe ein Plätzchen fand.

Ca. 20 Minuten vor dem geplanten Konzertbeginn verschwand Liv dann vorerst wieder von der Bühne mit dem Versprechen „Gleich gibt’s mehr!“ – und das hat sie auch zu voller Zufriedenheit eingehalten. 

Während ich wartete, gab es natürlich wieder einen Aufreger – die Ansagerin sprach Liv’ s Namen falsch aus und eine Frau hinter mir lästerte ungeniert über die männlichen Zuschauer in Lackröcken!  Zudem sagte sie, sie sei gespannt, ob Liv, die auf dem Album so eine wunderschöne Stimme habe, live ebenfalls gut klingen werde! Gerne hätte ich sie informiert, dass Liv’s Stimme live mindestens so perfekt klingt wie auf dem Album, aber ich hielt mich lieber raus. 

Pünktlich trat die besagte Liv wieder auf die Bühne, in Begleitung der Musiker Timon Birkhofer, Dimitrios Argyropoulos, Thorsten Bauer und Moritz Neuner, letztere beiden bekannt von Leaves’ Eyes und Atrocity. Timon Birkhofer und Dimitrios Argyropoulos sind aufmerksamen Lesern von Liv’s Website aufgrund ihrer Mitarbeit bei den Aufnahmen von „Enter my Religion“ bekannt. Dimitrios spielte ein traditionelles griechisches Instrument, von dem ich annehme, dass es sich um eine Bouzouki handelte, es könnte jedoch auch eine Tzoura gewesen sein… mit solchen Details bin ich leider überfordert… vielleicht möchte mich ja jemand belehren. Timon übernahm Bass und Gesangsparts.

Das Konzert begann albengetreu mit dem fantastischen Gute- Laune- Lied „Over the Moon“, was geschickt gewählt war, da es die hitzegeplagten Zuschauer in ausgelassene Stimmung versetzte und bereits so manchen zum Tanzen verleitete.

Liv bekannte daraufhin, falsch gekleidet zu sein… sie meinte, ein Badeanzug (natürlich standesgemäß in schwarz) wäre passender gewesen. Die männlichen Zuschauer waren von dieser Idee selbstverständlich begeistert (vielleicht wäre es eine gute Idee für’s nächste Konzert  ), ich muss allerdings sagen, dass ihr Outfit, bestehend aus einer türkisen Corsage und einem goldenen langen Rock, sie auch recht angemessen kleidete.  Weiter unten könnt ihr euch selbst davon überzeugen.

In dieser farbigen Kombination hob sich die Sängerin jedoch deutlich vom Publikum ab, stellte praktisch den einzigen Farbfleck in einem schwarzen Szenario dar, denn obwohl Liv in Bochum für ihr Popprojekt auf der Bühne stand, hatte sie hauptsächlich Gothic- Publikum. Das ist wohl das Los der Gothic-/ Metal- Sängerinnen. Davon kann auch Ex Nightwish Frontfrau Tarja Turunen ein Liedchen singen, die einmal in einem Interview berichtete, dass selbst wenn sie in einer Kirche auftritt und Weihnachtslieder vorträgt in der ersten Reihe Metaller in Lederhose und Nightwish- Shirt sitzen! Allerdings soll das nicht bedeuten, dass die Andersartigkeit der Musik irgendeinen der Anwesenden gestört hätte – im Gegenteil, es wurde ausgiebig geklatscht und mitgesungen – das Publikum war begeistert! Nach dem Konzert wurden Rufe nach einer Zugabe laut.

An zweiter Stelle auf der Setlist stand mit „My Revelation“ einer meiner persönlichen Lieblingssongs, wonach sich das Publikum zu „Fake a smile“ ein wenig ausruhen konnte. Liv war aufgrund der Hitze sehr besorgt um ihre Zuschauer, während diese wiederum um sie besorgt waren, denn schließlich stand sie auf der Bühne in der prallen Sonne… nun, alle haben das Konzert unbeschadet überstanden. 

Im Anschluss an die vorgenannten Stücke bereitete Liv Kristine den “älteren” Fans eine angenehme Überraschung, indem sie „Deus Ex Machina“ sang, den Titeltrack ihres ersten (mittlerweile 10 Jahre alten) Soloalbums. Das eigentlich sehr ruhige Lied war für das Konzert als Gothicversion aufgemacht worden, was ausgiebig zum Tanzen genutzt wurde und mich begeisterte.

Es folgten „Trapped in Your Labyrinth“, das der schwedische Musiker (Hypocrisy) und Produzent Peter Tägtgren für Liv geschrieben hat, „You Take Me Higher“ und „For a Moment“. Bei diesem Lied übernahm Timon Birkhofer die Backing Vocals, wie er es bereits bei den Studioaufnahmen getan hatte. Im Anschluss trug Liv noch ihre Version des Springsteen- Klassikers „Streets of Philadelphia“ vor. Das Ende des Auftritts bildete ein weiteres Stück aus der „Deus Ex Machina“- Zeit, nämlich „3 AM“, das Liv damals als Duett mit Nick Holmes (Paradise Lost) aufnahm. Dieser wurde in Bochum glänzend von Timon Birkhofer vertreten.

Mit dieser Zusammenstellung ist Liv Kristine wieder einmal ihrem Ruf gerecht geworden, ihren Fans immer etwas Besonderes zu bieten, wofür ich mich hiermit noch einmal bedanken möchte! Ich habe mich über die beiden Lieder von „Deus Ex Machina“ sehr gefreut! 

Hoffentlich hat der Auftritt beim Bochum Total trotz des hauptsächlich „schwarzen“ Publikums die Auswirkung, dass Liv mit ihrem Soloprojekt auch über die Szenegrenzen hinaus bekannt wird. Zu wünschen wäre es der sympathischen Norwegerin allemal und wer einmal in „Enter My Religion“ reingehört hat weiß, dass dieses Album eigentlich jedem gefallen muss…ja, JEDEM – ohne Ausnahme!! 

 

www.livkristine.de

 

Liv Kristine

Ehemann in Action – Alex Krull filmt den Auftritt

Dimitrios Argyropoulos

Thorsten Bauer

Timon Birkhofer